Ein spätrömisches Heiligtum
Das erste gut fassbare Gebäude auf dem Sporn des Oberwiler Vorderbergs ist ein freistehender quadratischer Bau. Er wird in der Zeit um 400 n. Chr. errichtet, also am Ende der Römerzeit.
Aufgrund der Lage und des Bautyps ist der Bau wohl als Heiligtum zu interpretieren - ob als heidnischer, so genannt gallo-römischer Vierecktempel, oder bereits als christlicher Kultbau, ist schwer zu sagen.
Aus jüngeren Schuttschichten stammt das Fragment eines Bleisarkophages, und in der der Südostecke des Gebäudes liegt eine später ausgeräumte Grube in Form einer Grabkammer. Dies sind Indizien dafür, dass hier eine wichtige Persönlichkeit bestattet war. Aufgrund der Zeitstellung könnte der Bau bereits christlich gewesen sein: Seit 380 n. Chr. ist das Christentum zumindest offiziell alleinige römische Staatsreligion.
Das Stück eines Bleisarkophages wurde nachträglich als Gewicht zurecht geschnitten. Es weist auf ein bedeutendes spätrömisches Grab hin. Dieses könnte sich in der grabförmigen Grube des spätrömischen Baus befunden haben. Länge 24 cm, Gewicht über 4 kg.